Junges Leben. 

Eine neue, alltagskulturwissenschaftliche Sammlung am Badischen Landesmuseum

Ein Projekt von Jannis Nickel, Volontär am BLM 2023–2025
 
 

Fragt man sich, was Museen sammeln, bewahren und ausstellen, denken viele zunächst an kostbare Schätze vergangener Zeiten. Dieser Eindruck scheint beim ersten Anblick des Badischen Landesmuseums leicht bestätigt: Untergebracht im barocken Schloss der badischen Fürsten und mit Thronsaal und Throninsignien gleich zu Beginn der Ausstellung, scheint das Museum Klischeevorstellungen zu reproduzieren. Doch wer bei diesem ersten Eindruck stehenbleibt, verpasst faszinierende Forschungsergebnisse und überraschende Ausstellungen.

Auch zeithistorische und alltägliche Objekte stehen im Fokus – wie die vielbeachtete Ausstellung zu den 1980er-Jahren eindrucksvoll zeigte (siehe digitale Ausstellung und Katalog). Plötzlich finden sich in den Vitrinen nicht mehr Kronen und Juwelen, sondern ein Rubik’s Cube oder eine Plattensammlung. Das mag auf den ersten Blick irritieren: „Warum steht mein Alltag im Museum?“ Doch bei näherem Hinsehen wird deutlich, welchen Wert diese Perspektive hat. Museen werden zu Orten der Kommunikation – Erinnerungen regen Gespräche an, und persönliche Erfahrungen treten in den Dialog mit der Geschichte.

Für solche Ausstellungsprojekte braucht es jedoch auch die passenden Objekte. Zwar lassen sich Zauberwürfel auch heute noch problemlos neu kaufen, doch ein Original aus den 1980er-Jahren ist schon deutlich schwerer zu finden. Noch schwieriger wird es bei anderen Dingen wie Filmplakaten oder alten Spielekonsolen – und wer eine originale Eintrittskarte zu einem BAP-Konzert auftreiben möchte, braucht vor allem eines: eine große Portion Glück. All das macht deutlich, wie herausfordernd das zeitgenössische Sammeln für Museen ist. Gerade in dem Moment, in dem bestimmte Objekte alltäglich sind und in fast jedem Wohnzimmer stehen, erscheint es kontraintuitiv, sie aufzubewahren. Warum sollten Museen sammeln, was scheinbar allgegenwärtig ist? Zugleich lässt sich kaum vorhersagen, woran wir uns später erinnern werden. Welche Gegenstände werden einst Kultstatus erlangen? Was wird für kommende Generationen ein Sinnbild für das erste Viertel des 21. Jahrhunderts sein?

Darauf eine eindeutige Antwort zu finden, scheint unmöglich. Doch gerade diese Fragen machen auf die Herausforderungen – aber auch auf die Notwendigkeit zeitgenössischen Sammelns aufmerksam. Die im Folgenden präsentierte Sammlung ist ein solcher Versuch. Unter dem Slogan „Junges Leben“ zeigt das Badische Landesmuseum Objekte, die neu inventarisiert wurden. Sie eröffnen einen Blick auf die materielle Kultur junger Menschen zwischen 2000 und 2025.

Was prägt das Erwachsenwerden zu Beginn des 21. Jahrhunderts?

Die hier versammelten Objekte sind keine persönliche Auswahl eines Einzelnen. Unter dem Leitgedanken der Partizipation hat das BLM mit unterschiedlichen Menschen gesprochen – aus verschiedenen Generationen, mit unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen. Die Sammlung reflektiert kulturelle Phänomene adoleszenter Lebenswelten und liminaler Phasen. Das Ergebnis: eine Sammlung, die nie vollständig sein kann – und auch gerade darin ihren Wert zeigt.

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